Schicksale

Oft machte ich mir Gedanken, wie wohl unsere Vorfahren gelebt haben.

In den Kirchenbüchern wurde häufig so mancher Hinweis gegeben, vor allem bei Nachrufen im Sterbefall. Da steht zum Beispiel: ‚Er war ein Meister seines Fach´s, ein Wägner‘ (Wagner), oder ein ‚ehrsamer Möbler‘ (Schreiner).

Dann heißt es bei einem Kind: ‚Auf der Flucht gestorben‘.

Ein anderer wurde lebendig begraben: “ . . . . da hat es im Sarg merklich geklopft . . . da hat der Lehrer aufhören lassen zu singen . . . . als es aufgehört hat, haben wir ihn eingescharrt. Andern Tags . . . haben wir ihn wieder ausgescharrt und gefunden, daß seine Mütze unterm Kopf lag . . . . seine Augen und Maul offen standen . . . . dann haben wir ihn wieder eingescharrt . . . . am andern Tag sah das Grab aus, als ob ein Kind darauf geritten wäre. Eine brisante Angelegenheit“, schreibt der Pfarrer.

Ständig fanden Kriege statt, kleine und große.
Fast jedes Jahr waren die Franzosen im Land, mit Rauben, Morden und Niederbrennen der Häuser, unterwegs. Die Schweden waren als Protestanten auch nicht gerade zimperlich. Dann kamen die Kroaten als mordbrennende Kohorten und letztendlich dürfen die Türken nicht fehlen.

Diese Truppenbewegungen brauchten Nahrung und Kleidung. Diese hat man
einfach den Leuten weggenommen. Das Vieh wurde weggetrieben, die Pferde beschlagnahmt. Oft hatte die Bevölkerung nichts mehr zum Essen, weil die Felder und Gärten ausgeraubt waren. Nichts war sicher, auch die Frauen und Mädchen nicht, viele wurden von den rauhbeinigen Soldaten geschwängert.

Auch Soldaten der heimischen Truppen haben Kinder hinterlassen. Die Kinder durften dann, mit Erlaubnis des Fürsten oder Landesherrn, meistens den Namen des Vaters tragen. So haben wir einen Württembergischen Soldaten, der in Hohbach sationiert war und dort ein Kind gezeugt hat. Sein Name ist bekannt, aber nicht seine Herkunft.

Ein Musketier vom Hohenlohischen Kontigent lag in Haag (Künzelsau). Er hat dort eine Bauernmaid zur Mutter gemacht. Das Kind durfte auf Geheiß des Fürsten, den Namen des Vaters tragen. Die Mutter hat auf dem Gut des Gutsherren Feinauer, dem Vater des Soldaten, entbunden, aber die beiden haben nie geheiratet. Dieses Kind ging, als „der Hirt von Haag“, in unsere Familiegeschichte ein.

Dann haben wir einen Pfarrer Johannes Feinauer. Dieser war 13 Jahre Pfarrer in Kirchensall. Dort hat er sechs Kinder gezeugt, fünf Mädchen und einen Jungen, der jedoch im Kindesalter verstarb.

Eine Besonderheit war, daß die Paten der Kinder alle Gräfinnen und Fürstentöchter waren. Der Pfarrer mußte ein besonderes Verhältnis zum Fürstenhause gehabt haben.
Zwei Schwiegersöhne waren Kammerherren, der eine beim Fürsten zu Hohenlohe-Neuenstein, der andere beim Fürsten zu Hohenlohe-Weikersheim.
Einer anderer war der bekannte Pfarrer Yelin in Sindringen.

Pfarrer Johannes Feinauer war 33 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahre 1742, erster Diakonus in der Stiftskirche in Öhringen und auch Spitalpfarrer daselbst.

Bei meinen Forschungen nach den Feinauer in Franken kam mir folgender
Gedanke: Michel Feinauer aus Langensall war Schuster (Schuhmacher). Könnte dieser
nicht mit den durchziehenden Soldaten oder auf Geheiß vom Fürsten mit diesen
Leuten mitgezogen sein? Zu jener Zeit waren ganze Heerscharen unterwegs. In der Gegend von Dietenhofen in Franken hatten auch die Herren von Crailsheim Besitzungen.
Die Crailsheimer waren Vasallen der Herren von Hohenlohe. Da das Fußvolk Schuhe brauchte, ist es naheliegend, daß man seinen eigenen Schuster mitbrachte.

Spuren der Vergangenheit gibt es nur wenige. In Veinau, im sogenannten Streitbusch, wo einstmals die Burg der freien Ritter von Veynawe stand, ist nur noch ein kleiner Erdhügel zu sehen. Auf Bielriet ist es nicht viel besser, da findet man noch ein paar Gesteinsbrocken im Wald.

Es war nur eine relativ kurze Zeit, in der die Vynawer in Hall ansässig waren, etwa zwei bis drei Generationen. In dieser Zeit fand auch die Namensfindung und Festigung in
Feynawer statt.

Geislingen am Kocher, dazu gehört auch der Hergershof, waren zu dieser Zeit
hällisches Territorium, also im Besitz der freien Reichsstadt Hall. Dort in Geislingen beginnt nach der Reformation die erste Ansiedlung der Feynauer. Ab da wurden auch die Kirchenbücher geführt. Ohne diese wären die genealogischen Forschungen sehr viel schwerer.

Im Stadtarchiv in Hall sind zwar sehr viele Unterlagen zur Einsicht offen, aber die Suche ist sehr zeitintensiv. Das Staatsarchiv im Schloß Neuenstein ist auch zugänglich. Dort habe ich viele Informationen erhalten.

In dicken Schätzbüchern (Steuerbücher) fand ich das erste Mal einen Webermeister
Feinauer in Pfahlbach. Er ist einer meiner Vorfahren. Das Haus am Platz hat als einziges den 30 jährigen Krieg überstanden und ist heute noch von Feinauer-Nachkommen bewohnt. Es ist in sehr schlechtem Zustand und soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.

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